DSGVO Wahnsinn – der Cookie Hammer

7. August 2020

von Jörn Weiss

DSGVO Wahnsinn – der Cookie Hammer

7. August 2020

von Jörn Weiss

Ein gutes Jahr ist es her, seit der EuGH Cookie-Banner mit Opt-In-Pflicht zur Vorschrift gemacht hat. Zeit für eine fröhliche Bestandsaufnahme zum ungeliebten Hängeschild!

Seit Juli vergangenen Jahres sind sie Pflicht – die Cookie-Banner auf Websites. Ihre Aufgabe ist nicht nur, darauf hinzuweisen, DASS Cookies auf einer Website implementiert sind, sondern sie einzeln wählbar zu machen. Und zwar unabhängig davon, ob das jemand interessiert oder versteht. Welche Funktion sie haben und was von Ihnen zu halten ist, wurde viel diskutiert, die Einschätzungen reichen von „sinnvoll“ bis „Todesstoß fürs digitale Marketing“. Vermutlich liegt die Wahrheit in der Mitte. Die Frage ist allerdings auch, inwieweit die Vorschriften tatsächlich umgesetzt wurden. Und siehe da: Buntes Allerlei überall! Fünf Kategorien habe ich erfasst und wünsche damit viel Vergnügen:

Kategorie 1 – Das No-Banner-Banner


Erstaunlicherweise finden sich noch immer Websites ohne jegliche Ausprägung von Cookie-Bannern. Und das gar nicht mal nur beim Hundesportverein, sondern durchaus auch bei größeren Unternehmen und Einrichtungen, die davon gehört haben müssten. Die Betreiber sind entweder ahnungslos oder es geht ihnen irgendwo vorbei. Wozu auch, stört eh bloß. Sie sind die furchtlosen Helden, die sich meist auch den Stress mit der SSL-Verschlüsselung sparen. Das Leben kann so einfach sein!

Kategorie 2 – Das Vintage-Banner


Der kurze Hinweis lautet(e): Diese Website setzt Cookies (gelegentlich mit Zusatz, dass sie das zu meinem persönlichen Komfort tut). Interessiert mich nicht, aber Danke für den Hinweis! Diese meist schlichte Art von Cookie-Bannern am oberen oder – noch schicker – am unteren Seitenrand waren bereits vor Jahren Pflicht (wobei weithin unklar war, ob es tatsächlich eine notwendige oder nur empfohlene Maßnahme des Gesetzgebers ist und ergo, was passiert, wenn man sie nicht setzt). Ihre Mission bestand in erster Linie darin, ungelesen wie eine Wespe vom Zwetschgenkuchen gewischt zu werden. Sie entsprechen heute nicht mehr den Vorgaben des EuGH, sind aber noch weit verbreitet und garantiert häkchenfrei.

Kategorie 3 – Das Designer-Banner


Vergleichbar mit Businesshemden, die mit farbig abgesetzten Manschetten und Krägen im Herren-Einerlei für Abwechslung sorgen, trumpft das Designer-Banner mit einem individuellen Erscheinungsbild auf: in der Unternehmensfarbe, mit Hausschrift, mit Logo oder mit witzigen, pseudojuristischen Texten usw. Promoter dieses Sonderwegs sind vor allem megakreative Designer oder Corporate-Design-Wächter, die auch das letzte Touch-Pointchen noch mitnehmen. Kann man machen. Ich persönlich habe allerdings nie verstanden, warum ein so ungeliebtes Element im Outfit der Marke daherkommen soll. Schließlich steht der Mercedes-Stern auch nicht auf dem Kfz-Kennzeichen.

Kategorie 4 – Das Spitzbuben-Banner


Dieses Banner ist nah an den Vorgaben des EuGH, denn es berücksichtigt, dass der Nutzer wählen kann, welche Häkchen und ergo welche Cookies gesetzt werden sollen. Aber Achtung, nicht ganz, denn dieses Cookie-Banner ist ein echter Spitzbube, der um jeden Preis das Tracking aufrechterhalten will. Deshalb setzt es bereits alle Häkchen und bietet dann einen möglichst großen Button mit „Auswahl bestätigen“ an. Moment mal, so war das nicht gedacht! Der eilige Nutzer klickt doch ganz automatisch auf den Knopf und akzeptiert so alle Cookies, statt sie einzeln anzuwählen. Noch raffinierter: es setzt die Häkchen NICHT (Ausnahme notwendige Cookies) und bietet ebenfalls einen auffälligen Button mit Hinweis „Alle auswählen“ oder „Alle Cookies zulassen“. Auch darauf klickt der Nutzer reflexartig und setzt so alle Häkchen, was natürlich nicht im Sinne des EuGH ist. Es sei denn, der Nutzer möchte tatsächlich alle Häkchen setzen. Aber wer will das schon? Schließlich sind die Dinger ja böse. Kurzum: Dieses Cookie-Banner ist ideal für alle, die sich gerne in Grauzonen bewegen. Oder sich Ihr Tracking nicht kaputt machen lassen wollen.

Kategorie 5 – Das Königs-Banner


Absolut vorbildlich! Nur das „Notwendig“-Häkchen ist gesetzt. Alle anderen nicht. Mit einem einfachen „OK“-Button lässt es die Nicht-Auswahl bestätigen (oder die gewünschte Zuwahl) und drängt keine Entscheidung auf. Wähle selbst! Immer noch richtig, aber ein Hauch mehr im Sinne des Betreibers ist diese Variante: Nur „notwendig“ gesetzt, alle anderen nicht. Aber: es bietet ZWEI Knöpfe mit Wortlaut „Auswahl erlauben“ und „Cookies zulassen“. Der Nutzer kann also mit einem Klick das volle Cookie-Programm ab- oder zuwählen.

Fazit: Absoluter Wildwuchs


Vermutlich habe ich noch lange nicht alle Varianten erfasst und es gibt noch weitere Exoten, aber wahrscheinlich interessiert Sie das auch gar nicht. Mehr hält eh kein Mensch aus. Verglichen mit der einheitlichen Regelung von Kfz-Kennzeichen, die jeder versteht, ist die heutige Cookie-Banner-Landschaft ein Wildwuchs par excellence. Weil eindeutige Spielregeln fehlen und deshalb Spielräume genutzt werden. Und weil kaum erkennbar sanktioniert wird. Wozu also alles?

Ich persönlich hätte mir ein europaweit einheitliches Banner gewünscht. Eins für alle. Mit oder ohne Häkchen, aber bitte einheitlich! Nicht selbstgestrickt und keine Bezahlversionen, sondern Open Source! Dann hätten wir alle Zeit und Geld gespart. Aber dazu müsste der Europäische Gerichtshof mehr von IT und der digitalen Realität verstehen.

Bleibt meine persönliche Empfehlung: Setzen Sie ruhig die Häkchen. Zumindest die Deutsche Digitalwirtschaft wird dankbar sein.

Jörn Weiss

 

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