Call-to-Action – Komm schon, klick mich!

17. Juli 2020

von Jörn Weiss

Call-to-Action – Komm schon, klick mich!

17. Juli 2020

von Jörn Weiss

Digitales Marketing ohne den sogenannten Call-to-Action, also die Handlungsaufforderung, ist quasi undenkbar. Doch wie wirksam ist er wirklich?

Gleich vorweg: Dies ist kein Ergebnis einer wissenschaftlichen Studie, sondern eine ziemlich subjektive Reflexion eines Kommunikationsinstruments, das uns allen bekannt ist: die Handlungsaufforderung, im Fachsprech kurz CTA (Call-to-Action) genannt.

Noch vor wenigen Jahren war dieser Imperativ im (digitalen) Marketing ein Novum, doch seine Verbreitung kommt einem Siegeszug gleich. Websites und Postings wurden regelrecht mit CTAs gepflastert!

Hallo! Huhu! Komm schon, klick mich!


Kein Wunder, denn die Idee ist brillant: Anstatt seine Kunden bzw. Interessenten an einem möglichen Aktionspunkt sich selbst zu überlassen und zu riskieren, dass er „abspringt“ (Bounce Rate) oder den „Zurück“-Button wählt (schade, er hat´s nicht gekauft), bietet man ihm verbale und optische Anreize. Durch den Anreiz soll er den Weg zu Ende gehen, also einen Kauf abschließen oder einen Beitrag zu Ende lesen – was immer das Ziel des Anbieters oder des Autors ist.

CTA-Klassiker


CTAs sind also durchaus nützliche "Hinweisschilder", die das Navigieren innerhalb einer Applikation erleichtern. Bitte hier entlang! Allerdings: Nicht selten kommen sie etwas plump oder so massiv daher, dass man die Lust verliert, ihnen zu folgen. Und manche Anbieter scheinen sich gefühlt allein auf die Wirkung von CTAs zu verlassen anstatt Angebot und Content selbst attraktiver zu gestalten. Einige Beispiele:

Jetzt kaufen (Jetzt drängt mich doch nicht so, ich muss es mir noch kurz überlegen!)
Kaufen solange Vorrat reicht (Äh, wer ist bei euch eigentlich für die Logistik zuständig?)

Jetzt sichern (Den Tarif gibts hier doch schon seit Monaten!)
30 Tage kostenlos testen (Erinnert ihr mich auch, wenn die 30 Tage abgelaufen sind?)
Jetzt sparen (Schon klar!)
Zum Angebot (Ja, ja, Abbildung enthält Zusatzausstattung, wie immer!)
Jetzt shoppen (Was meint ihr mit shoppen – kaufen oder?)
Jetzt entdecken (Ey, bin ich Kolumbus, was glaubt ihr, wieviel Zeit ich habe?)
Jetzt bewerben (Darf´s noch ein persönliches Anschreiben sein?)

Zugegeben, ich überzeichne, aber mal ehrlich: Versetzen Sie diese CTAs in einen Kauf- oder Leserausch, in ein „Wanna have“? Eher nicht. Ich wage eine Erklärung:

a) Sie haben´s schon tausendmal gelesen, es juckt Sie nicht mehr.
b) Sie glauben eh nicht, dass Sie hier wirklich sparen oder profitieren. Ist ja nur Werbung.
c) Beim Wort „jetzt“ reagieren Sie allergisch, ob und wann Sie klicken ist ja wohl immer noch Ihre Entscheidung!

Liege ich richtig? Dann lesen Sie JETZT!, was zu tun ist! 

Cool down!
Hören Sie auf Ihre innere Stimme, auch wenn der CFO nach mehr Umsatz ruft.

Aus folgenden Gründen:

a) Die Leute sind nicht so eindimensional, wie wir es als "Verkäufer" gerne hätten.
b) Verheißungen sind manchmal auch eine Lüge.
d) Der Fuß des Verkäufers in der Tür führt eher dazu, dass man sie noch fester zudrückt.
c) Wenn Angebot, Leistung und "Verpackung" einen Sog generieren, findet der User ganz alleine zum Warenkorb oder zum Artikel. Weil er/sie es will!

Deshalb mein Vorschlag:

1) CTAs maßvoll einsetzen und Kunden schon vorher mit Wertschätzung, vielleicht sogar mit etwas "Liebe"  und Schmeichelei behandeln
2) Reverse Thinking: Augen schließen und nachspüren, was der Kunde/User möglicherweise denkt und fühlt (Leser/User-Zentrierung)
3) Überzeugen und in Wort und Bild auf ganzer Linie „ansprechend“ sein. Immer und überall.

Ich bin überzeugt: Das Herz ist noch immer einer der besten Ratgeber!

Jörn Weiss

 

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