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Nicht wegzudenken – die Kreativökonomie

2. April 2019

von Jörn Weiss und Sarah Müller

Nicht weg­zudenken – die Kreativ­ökonomie

2. April 2019

von Jörn Weiss und Sarah Müller










Die Kultur- und Kreativwirtschaft gehört zu den wachstumsstärksten Branchen der Weltwirtschaft. Ihre volkswirtschaftliche Gesamtleistung in Deutschland betrug im Jahr 2017 schätzungsweise über 100 Mrd. Euro. Damit übertrifft sie Branchen wie die Chemische Industrie, die Finanzwirtschaft oder die Energieversorger. Die Zahl der Erwerbstätigen liegt sogar über Automobilsektor und Industrie. Sie entwickelt sich zu einem immer wichtiger werdenden Wirtschaftszweig.

Insgesamt zählen rund 255.000 Unternehmen zur Kreativ- und Kulturwissenschaft mit rund 1,16 Millionen Erwerbstätigen. Die operativen Ziele dieses Wirtschaftszweigs sind vielfältig: Von der Steigerung von Image und Bekanntheit eines Unternehmens, über Ausweitung von Absatz, Differenzierung vom Wettbewerb, Attraktivitätssteigerung als Arbeitgeber, organisatorischen Verbesserungen oder Kostensenkung und anderen. Die Auswirkungen der Kreativleistungen sind immens und bezogen auf die Wirtschaft längst eine conditio-sine-qua-non.

Nicht nur bunte Bildchen


Es geht also nicht um bunte Bildchen und „l´art pour l´art“, sondern um harte Fakten. Unternehmen, besonders aus dem verarbeitendem Gewerbe, beziehen Kreativleistungen aus allen Bereichen: von Grafik- und Produktdesign über Werbe- und Kommunikationsdienstleistungen bis hin zur Software-Programmierung. Es scheint, als hätten sie erkannt, dass Produkte und Dienstleistungen ohne den intermediären Beitrag der Kreativwirtschaft in den meisten Fällen weniger oder kaum Aussicht auf Erfolg haben.

Digitalisierung bringt Messbarkeit mit sich


Auch der Stereotyp des „Kreativen“ mit Vollbart, Soja Latte und Wakeboard hat sich folglich gewandelt. Zuvor noch selbstverliebt im Elfenbeinturm verharrend, ignorant gegenüber „Störfaktoren“ wie Wirtschaftlichkeit und Profitabilität und nur auf die „Kunst“ bedacht, ist er heute oft selbst zum Lieferanten von Zahlen und Fakten geworden. Denn die Digitalisierung bringt Messbarkeit mit sich, Daten und KPIs (Key Performance Indicators) deren klare Sprache sich nicht ignorieren lässt. Selbstverständlich bleiben Empathie und Emotion wichtig – und sind sogar wichtiger denn je – allerdings sind sie eben messbarer geworden.

Creative Industry als elementarer Wirtschaftsfaktor


Die Kreativökonomie, nennen wir sie Creative Industry, ist also mehr denn je zu einem elementaren Wirtschaftsfaktor geworden. Es geht um Wissen und Informationen, Strategien, Mechaniken, Performance und „Kaizen“, sprich kontinuierliche Verbesserung. Sie sind Impulsgeber für die Wirtschaft und unterstützen beim Erreichen der Unternehmensziele. Allerdings, ohne ihre Auftraggeber wären ihre Leistungen kaum etwas Wert. Sehen wir es so: Kreativökonomie und Unternehmen agieren heute auf Augenhöhe in symbiotischen Beziehungen – dabei weniger stereotyp, selten mit Rollkragenpulli und immer häufiger ohne Krawatte…

Quelle: vgl. Monitoringbericht Kultur- und Kreativwirtschaft 2018